Phonak Audéo EON Sphere: Technik, Kosten und was belegt ist

von von Maximilian Bauer, MSc. Clinical Audiology (Kommentare: 0)

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Hörakustikmeister, MSc. Clinical Audiology

Samstagabend im Gasthof. Am Tisch reden sechs Personen durcheinander, nebenan wird gelacht, aus der Küche klappert Geschirr. Wer Hörgeräte trägt, kennt den Moment: Man hört alles und versteht wenig.

Für genau diese Situation hat Phonak das Audéo EON Sphere gebaut. Es ist seit Herbst 2026 in Deutschland erhältlich und die dritte Generation der Phonak-Hörgeräte, die Sprache mit einem neuronalen Netz vom Lärm trennen.

Das Wichtigste vorab: Das EON Sphere ist laut Phonak 25 Prozent kleiner und 20 Prozent leichter als sein Vorgänger. Beim Sprachverstehen spricht der Hersteller selbst von vergleichbarer oder leicht besserer Leistung. Neu sind ein sparsamerer Chip, eine Automatik, die das neuronale Netz häufiger einschaltet, und eine überarbeitete Windgeräusch-Unterdrückung. Begutachtete Studien gibt es bisher nur zur ersten Generation.

Einordnung: Ich führe ein Hörakustik-Fachgeschäft in Weilheim in Oberbayern und passe Phonak-Geräte an. Die Vorgänger Sphere und Sphere Ultra kenne ich aus der Anpassung. Die ersten Anpassungen mit dem EON laufen gerade.

Von Sphere zu EON: drei Generationen

2024, Sphere Infinio. Phonak baut erstmals einen zweiten Chip ein, der nur das neuronale Netz rechnet. Das Sprachverstehen im Lärm steigt deutlich. Der Preis dafür: ein großes Gehäuse und eine kurze Laufzeit im Sphere-Modus.

2025, Sphere Ultra. Ein Firmware-Update für dieselbe Hardware. Der Stromverbrauch sinkt, die Laufzeit im Sphere-Modus verdoppelt sich nahezu. Die Einzelheiten stehen im Artikel zum Sphere Ultra.

2026, EON Sphere. Neue Hardware. Ein sparsamerer Chip erlaubt ein kleineres Gehäuse.

Was genau hat sich damit geändert?

Phonak EON Sphere: Was ist neu?

Die folgenden Angaben stammen aus den Unterlagen von Phonak zur Markteinführung im August 2026.

Neuerung Was sich ändert Wie belegt
HYPERSONIC-Chip 37 Prozent weniger Energie für das neuronale Netz Herstellerangabe
Spheric Speech Clarity 3.0 Neu trainiertes Netz, jetzt auch in den Technikstufen 70 und 50 Keine eigene Studie
AutoSense OS AI 8.0 Das Netz schaltet früher zu und bleibt länger aktiv Fachpapier des Herstellers
WindBlock 2.0 Bis zu 50 dB weniger Windgeräusch, in allen Technikstufen Herstellerstudie mit 19 Personen
Gehäuse 25 Prozent kleiner, 20 Prozent leichter Herstellerangabe
Akkulaufzeit Bis zu 38 Stunden, rund 22 Stunden bei gemischter Nutzung Herstellerangabe
Auracast Empfang öffentlicher Audioübertragungen, etwa im Theater Folgt per Update auch für Infinio

Zur Familie gehören drei Modelle: das EON Sphere mit neuronalem Netz, das EON R ohne und das CROS EON R für einseitige Taubheit.

Der Kern bleibt das neuronale Netz. Um die Neuerungen einzuordnen, hilft ein Blick darauf, wie es arbeitet.

Wie ein neuronales Netz Sprache vom Lärm trennt

Klassische Störgeräuschunterdrückung senkt die Verstärkung dort, wo sie Lärm vermutet. Das macht das Hören angenehmer. Das Sprachverstehen verbessert es in der Regel nicht, weil Sprache und Lärm in denselben Frequenzen liegen.

Besser verstehen ließ sich bisher vor allem mit Richtmikrofonen. Sie bevorzugen Schall von vorn. Wer neben oder hinter Ihnen spricht, wird leiser.

Ein neuronales Netz arbeitet anders. Es wurde mit sehr vielen Beispielen von Sprache und Lärm trainiert und hat gelernt, welche Anteile eines Signals Sprache sind. Diese Anteile hebt es heraus, aus jeder Richtung.

Das Zeitproblem

Ein Hörgerät darf den Schall nur um wenige Millisekunden verzögern. Bei offener Versorgung trifft der direkte Schall sofort am Trommelfell ein, der verarbeitete etwas später. Wird der Abstand zu groß, klingt es hohl.

Wie eng dieser Rahmen ist, zeigt eine Studie aus dem Jahr 2023 (Diehl et al.). Ein Forschungsnetz verbesserte das Sprachverstehen von Hörgeräteträgern im Lärm um rund 3,5 dB. Es lief auf einem Laptop und brauchte bis zu 370 Millisekunden.

Dieselbe Aufgabe in wenigen Millisekunden und mit der Energie eines Hörgeräte-Akkus zu lösen, ist die eigentliche technische Leistung. Laut Sonova begann die Entwicklung 2019, weil es dafür keinen geeigneten Chip gab.

Wer am meisten profitiert

Eine Studie von 2026 testete ein sehr schnelles Forschungsnetz an 19 Hörgeräteträgern (Schulz et al.). Im Mittel lag der Gewinn bei 0,8 dB. Er stieg aber mit der Schwierigkeit: Je schlechter jemand ohne das Netz im Lärm verstand, desto mehr gewann er.

Auch die Art des Lärms spielt eine Rolle. In einer Studie mit 20 Hörgeräteträgern war ein neuronales Netz dem Richtmikrofon überlegen, wenn einzelne Störsprecher aus bestimmten Richtungen kamen. Im diffusen Kantinenlärm lagen beide gleichauf (Westhausen et al. 2024).

Nuance: Diese Studien haben Forschungssysteme getestet, nicht das Phonak EON. Sie zeigen, was das Prinzip leisten kann und wo seine Grenzen liegen. Was im Chip des EON abläuft, legt Phonak nicht offen.

Bleibt die Frage, wie ein solches Netz in ein Gehäuse hinter dem Ohr passt.

Was 37 Prozent effizienter bedeutet

Die Zahl setzt sich laut Phonak aus zwei Teilen zusammen: Der neue Chip arbeitet 25 Prozent sparsamer, das neu trainierte Netz 16 Prozent. Verglichen wird mit dem Sphere Ultra.

Solche Einsparungen entstehen auf bekannten Wegen. Man entfernt Teile des Netzes, die wenig beitragen, rechnet mit gröberen Zahlen und baut Chips, die genau auf diese Rechnungen zugeschnitten sind. Eine Forschungsarbeit von 2020 verkleinerte ein Netz für Hörgeräte so um das Zwölffache, bei kaum hörbarem Verlust (Fedorov et al.).

Phonak hat die Einsparung nicht in mehr Laufzeit gesteckt. Sie ging in ein kleineres Gehäuse mit kleinerem Akku. Das EON Sphere wird mit bis zu 38 Stunden angegeben, das Sphere Ultra mit über 50 Stunden.

Vorbehalt: Unter welchen Bedingungen die beiden Laufzeiten gemessen wurden, hat Phonak nicht veröffentlicht. Der Vergleich ist ein Anhaltspunkt, kein Messwert.

Für die meisten Träger ist das der richtige Tausch. Die Gehäusegröße war der sichtbarste Nachteil der ersten Generation.

Ein sparsameres Netz hat noch eine zweite Folge: Es darf häufiger laufen.

Die Automatik ist der eigentliche Fortschritt

Das neuronale Netz arbeitet nicht dauerhaft. Eine Automatik namens AutoSense OS entscheidet, wann es anspringt. Bei den Vorgängern geschah das erst bei hohem Lärmpegel. Wurde es kurz leiser, schaltete das Gerät zurück.

Die neue Version aktiviert das Netz bei niedrigerem Pegel und hält es bei schwankender Lautstärke länger. In einer halbstündigen Aufnahme zur Mittagszeit verbrachte das EON laut Phonak rund 20 Prozent mehr Zeit im Programm für Sprache in lautem Störgeräusch als das Sphere Ultra (Bericht von der Vorstellung).

Das erklärt, warum ein Träger mehr Nutzen spüren kann, obwohl das Netz selbst kaum besser geworden ist. Es arbeitet häufiger.

Das hat zwei Kehrseiten. Mehr Zeit im Sphere-Modus kostet Strom. Und sie bedeutet mehr Zeit mit einem stark bearbeiteten Klang. Bei der ersten Generation klangen Stimmen in sehr lauter Umgebung gelegentlich blechern.

Einordnung: Wann das Netz anspringt und wie stark es eingreift, legt der Hörakustiker in der Anpasssoftware fest. Die Werkseinstellung ist ein Ausgangspunkt, keine Vorgabe.

Die zweite große Neuerung betrifft eine Situation, in der bisher kein Netz half: draußen bei Wind.

Warum Wind kein Schall ist

Windgeräusch im Hörgerät kommt nicht aus der Umgebung. Es entsteht am Gerät selbst: Die Luft verwirbelt an der Mikrofonöffnung und drückt direkt auf die Membran. Das Mikrofon meldet ein tiefes Rauschen, das über 100 dB erreichen kann.

Daraus folgt eine nützliche Eigenschaft. Echter Schall erreicht beide Mikrofone eines Hörgeräts nahezu gleich. Verwirbelungen sind an jedem Mikrofon anders. Ein Gerät erkennt Wind also daran, dass die beiden Mikrofonsignale nicht zusammenpassen. Dieses Prinzip beschreibt Phonak bereits in älteren Patenten.

WindBlock 2.0 setzt laut Phonak an zwei Stellen an. Das Mikrofonsystem wurde baulich verändert, und ein Algorithmus bevorzugt jeweils das Mikrofon mit weniger Verwirbelung.

Nuance: Die 50 dB gelten im Vergleich zu ausgeschaltetem WindBlock, nicht im Vergleich zum Vorgänger. Gegenüber der früheren Version gibt es einen Präferenztest: 19 erfahrene Träger bevorzugten die neue.

Wie viel von alldem ist unabhängig geprüft?

Was belegt ist und was nicht

Begutachtete Studien zum EON gibt es nicht. Das ist bei einem Gerät, das seit wenigen Wochen verkauft wird, normal. Es gehört trotzdem an den Anfang.

Ebene Was vorliegt Wie belastbar
Publiziert und begutachtet Zwei klinische Studien zur ersten Generation, 10 und 11 Personen (Saoji et al. 2024, Kolberg et al. 2025) Deutlicher Gewinn, kleine Gruppen, Sprache und Lärm aus derselben Richtung
Laufend Studie der Mayo Clinic zur ersten Generation, geplant mit 500 Personen (NCT06743295) Ergebnisse frühestens 2027
Hersteller Fachpapiere von Phonak zu Sprachverstehen (2024, 2025), Wind und Automatik (2026) Nicht begutachtet
Nicht untersucht EON im Vergleich zum Sphere Ultra, Nutzen bei offener Versorgung, Nutzen bei leichtem Hörverlust Keine Daten

Was Phonak sagt und woher es stammt

  • Doppelt so wahrscheinlich jedes Wort verstehen: Die Quelle ist ein Fachpapier des Herstellers von 2024 zur ersten Generation. Verglichen wurde dasselbe Gerät mit und ohne neuronales Netz.
  • Bis zu 37 Prozent weniger Höranstrengung: Die Quelle ist ein Fachpapier des Herstellers von 2025. Verglichen wurde mit dem Richtmikrofon-Programm, bei Personen mit mittel- bis hochgradigem Hörverlust.
  • Bis zu 50 dB weniger Windgeräusch: ein Fachpapier des Herstellers von 2026, verglichen mit ausgeschalteter Funktion.

Vorbehalt: In den Unterlagen zum EON steht die Zahl 37 Prozent zweimal. Einmal meint sie den Energieverbrauch des Chips, einmal die Höranstrengung in einer Studie von 2025. Die beiden Zahlen haben nichts miteinander zu tun.

Das heißt nicht, dass das EON schlechter ist als beworben. Es heißt, dass die Übertragung der älteren Ergebnisse auf das neue Gerät bisher eine Annahme ist.

Und selbst wenn sie stimmt: Was am Trommelfell ankommt, entscheidet nicht der Chip allein.

Die Technik ist nur so gut wie ihre Anpassung

Ein neuronales Netz kann nur den Schall verbessern, der durch das Hörgerät läuft. Und ein Hörgerät kann nur das liefern, wofür es eingestellt wurde. Drei Dinge entscheiden, wie viel vom EON bei Ihnen ankommt.

Otoplastik statt Schirmchen

Ein Schirmchen verschließt den Gehörgang nicht. Schall gelangt daran vorbei direkt zum Trommelfell, vor allem unterhalb von etwa 1000 Hz. Dort liegt ein großer Teil der Energie von Stimmengewirr und Verkehr.

Das Netz liefert dann ein bereinigtes Signal, und der ungefilterte Lärm trifft parallel dazu ein. Eine individuell gefertigte Otoplastik verringert diesen Direktschall. Die Physik dahinter erklärt der Artikel zum Sphere Ultra.

Einordnung: Bei den Vorgängern habe ich das in der Anpassung regelmäßig gesehen. Mit Schirmchen spüren viele Träger den Vorteil des Sphere-Modus kaum. Mit Otoplastik ist er deutlich. Für das EON erwarte ich dasselbe, weil sich an der Akustik des Gehörgangs nichts geändert hat.

Messung im Ohr

Die Anpasssoftware berechnet eine Einstellung für ein Durchschnittsohr. Ihr Gehörgang ist kein Durchschnitt. Ob am Trommelfell ankommt, was ankommen soll, zeigt nur eine Messung mit einer Sonde im Ohr. Wie sie abläuft, beschreibt der Artikel zur Real-Ear-Messung (REM).

In einer Vergleichsstudie verstanden Träger mit gemessener Anpassung besser als mit der Voreinstellung des Herstellers und bevorzugten sie mehrheitlich (Valente et al. 2018).

Beim EON kommt eine Einstellung hinzu: Der Hörakustiker legt fest, ab welchem Lärmpegel das neuronale Netz anspringt und wie stark es eingreift. Wer im Beruf jedes Wort braucht, wird das anders wünschen als jemand, dem ein natürlicher Klang wichtiger ist.

Hörtraining und Hörtaktik

Ein Hörgerät stellt Information bereit. Sie im Alltag zu nutzen, ist ein Lernvorgang. Hörtraining per App verbessert zuverlässig die geübten Aufgaben. In den Alltag überträgt sich das nicht von selbst. Warum, steht im Artikel Hörtraining wirkt. Aber warum merkt man es im Alltag manchmal nicht?

In meiner Praxis kombiniere ich deshalb App-Training mit gezielten Aufgaben in echten Hörsituationen. Dazu kommt Hörtaktik: erkennen, was in einer Situation stört, etwas daran ändern und prüfen, ob es geholfen hat.

Baustein Wie gut belegt
Otoplastik statt Schirmchen Akustisch begründet. Messdaten zu Hörgeräten mit neuronalem Netz fehlen.
Messung im Ohr Durch Studien belegt.
Hörtraining per App Belegt für die geübten Aufgaben. Übertragung in den Alltag begrenzt.
Training in echten Hörsituationen Mein klinisches Modell, aus der Lernforschung abgeleitet. In Studien bisher nicht geprüft.
Hörtaktik Aus der Rehabilitationsforschung übertragen.

Diese Leistungen erklären einen Teil dessen, was als Nächstes kommt: den Preis.

Phonak EON Kosten: Was kostet das EON Sphere 90?

Im Fachgeschäft liegt das EON Sphere 90 in Deutschland bei rund 4.000 Euro pro Gerät, bei Onlineanbietern bei rund 2.500 Euro. Das sind Privatpreise nach meiner Marktkenntnis vom Oktober 2026, vor Abzug des Kassenanteils. In Österreich werden etwa 5.000 Euro verlangt.

Was die gesetzliche Kasse übernimmt, steht im Artikel Hörgeräte Kosten: Was zahlt die Krankenkasse?

Woher kommt der Preisunterschied?

Das Gerät ist dasselbe. Der Preis im Fachgeschäft enthält die Dienstleistung: Diagnostik, Anpassung, Messungen und die Nachsorge über mehrere Jahre. Hinzu kommt der Standort. Mieten und Löhne im Münchner Umland sind höher als in vielen anderen Regionen.

Ob der Aufpreis gerechtfertigt ist, hängt davon ab, was Sie dafür bekommen. Stellen Sie bei jedem Angebot vier Fragen, online wie vor Ort:

  1. Ist eine Otoplastik enthalten oder nur Schirmchen?
  2. Wird die Anpassung im Ohr gemessen?
  3. Wie viele Termine sind enthalten, und über welchen Zeitraum?
  4. Wer ist zuständig, wenn das Gerät nach zwei Jahren nachgestellt werden muss?

Warum sich die Messung im Ohr nicht aus der Ferne ersetzen lässt, erklärt der Artikel Fernanpassung vs. Präsenztermin.

Nuance: Die vier Fragen gelten auch für teure Fachgeschäfte. Ein hoher Preis garantiert weder Otoplastik noch Messung. Und ein günstiges Gerät ohne diese Leistungen ist nicht automatisch die schlechtere Wahl. Es ist ein anderes Produkt.

Erfahrungen mit dem Phonak EON: Was bisher vorliegt

Das EON ist in Deutschland seit wenigen Wochen erhältlich. Erfahrungen über Monate hat noch niemand. Drei Quellen gibt es bisher.

Labormessung. Das unabhängige Labor HearAdvisor misst Hörgeräte am Kunstkopf. Das EON Sphere 90 erreichte dort 5,0 von 5 Punkten und Platz 1 von 39 getesteten Geräten (Angaben bei HearingTracker). Eine Messung am Kunstkopf sagt, was das Gerät technisch leistet. Sie sagt nicht, was beim einzelnen Träger ankommt.

Fachpresse. Der Chefredakteur von HearingTracker trug das EON einige Tage. Er berichtet von weniger Klangartefakten als beim Vorgänger und davon, dass sich der Sphere-Modus zuverlässiger von selbst einschaltet. Phonak hat die Reise zur Vorstellung bezahlt, das Portal legt das offen.

Eigene Anpassung. Mit dem EON habe ich noch keine abgeschlossenen Versorgungen. Aus der Arbeit mit den Vorgängern kann ich sagen: Die Technik funktioniert, sie braucht eine Otoplastik, und das große Gehäuse war für viele Träger ein Grund zu zögern. Dieser Grund entfällt jetzt.

Einordnung: Diesen Abschnitt ergänze ich, sobald Beobachtungen aus mehreren Wochen Tragezeit vorliegen. Das Datum der letzten Änderung steht am Ende des Artikels.

EON oder Sphere Ultra? Für wen sich was lohnt

  • Sie tragen bereits ein Sphere oder Sphere Ultra: Beim Sprachverstehen ist kein Sprung zu erwarten. Auracast soll per Update auch für Ihr Gerät kommen. Ein Wechsel lohnt sich, wenn das Gehäuse Sie stört oder Sie viel im Freien sind.
  • Neukauf, das Gerät soll unauffällig sein: Das EON Sphere. Die Größe war der Hauptnachteil der Vorgänger.
  • Neukauf mit begrenztem Budget: Das neuronale Netz gibt es beim EON erstmals auch in der Technikstufe 50. Vorher war es den beiden oberen Stufen vorbehalten.
  • Leichter Hörverlust, offene Versorgung gewünscht: Der Nutzen ist unsicher. Probieren Sie das Gerät mit Otoplastik aus, bevor Sie entscheiden.
  • Viel draußen, Radfahren, Wandern: Das EON. Die neue Windgeräusch-Unterdrückung ist in allen Technikstufen enthalten.

Unterm Strich: Das EON Sphere macht die Sphere-Technik kleiner, sparsamer und häufiger aktiv. Besser verstehen als mit dem Vorgänger werden Sie damit nach Angabe des Herstellers kaum. Begutachtete Studien gibt es nur zur ersten Generation. Wie viel bei Ihnen ankommt, entscheiden Ankopplung, Messung und Training stärker als die Gerätegeneration.

Anpassung in Weilheim in Oberbayern: Ich führe das Fachgeschäft Neuroauditiv. Wenn Sie das Phonak EON mit Otoplastik, Messung im Ohr und begleitendem Hörtraining ausprobieren möchten: neuroauditiv.de

Häufige Fragen

Was ist das Phonak Audéo EON Sphere?

Ein Hörgerät von Phonak mit Lautsprecher im Gehörgang, erhältlich seit Herbst 2026. Ein eigener Chip rechnet ein neuronales Netz, das Sprache in Echtzeit vom Störgeräusch trennt.

Was ist der Unterschied zwischen EON Sphere und Sphere Ultra?

Das EON hat einen neuen, sparsameren Chip und ein um 25 Prozent kleineres Gehäuse. Die Automatik schaltet das neuronale Netz häufiger ein, und die Windgeräusch-Unterdrückung wurde überarbeitet. Das Sphere Ultra hat die längere Akkulaufzeit.

Versteht man mit dem EON besser als mit dem Vorgänger?

Phonak spricht von vergleichbarer oder leicht besserer Leistung des Netzes. Weil es häufiger aktiv ist, kann der Nutzen im Alltag trotzdem größer ausfallen. Eine Studie, die beide Geräte vergleicht, gibt es nicht.

Was kostet das Phonak EON Sphere 90?

Im Fachgeschäft rund 4.000 Euro pro Gerät, online rund 2.500 Euro, jeweils vor Abzug des Kassenanteils. Der Unterschied liegt in den enthaltenen Leistungen und im Standort.

Gibt es schon Erfahrungen mit dem Phonak EON?

Bisher liegen eine Labormessung am Kunstkopf und erste Eindrücke aus der Fachpresse vor. Erfahrungen von Trägern über mehrere Monate gibt es Stand Oktober 2026 noch nicht.

Brauche ich für das EON Sphere eine Otoplastik?

Das Gerät funktioniert auch mit Schirmchen. Der Nutzen im Lärm fällt bei offener Versorgung aber geringer aus, weil tiefer Lärm am Hörgerät vorbei ins Ohr gelangt.

Wie lange hält der Akku des Phonak EON?

Nach Herstellerangabe bis zu 38 Stunden, bei gemischter Nutzung mit Streaming und Sphere-Modus rund 22 Stunden.

Hat das Phonak EON Auracast?

Ja. Für Telefonate und Streaming nutzt es weiterhin Bluetooth Classic. Auracast dient dem Empfang öffentlicher Audioübertragungen.

In welchen Technikstufen gibt es das EON Sphere?

In den Stufen 90, 70 und 50. Das neuronale Netz ist in allen drei enthalten.

Lohnt sich der Wechsel vom Sphere Ultra zum EON?

Wegen des Sprachverstehens allein nicht. Gründe für einen Wechsel sind das kleinere Gehäuse und die bessere Windgeräusch-Unterdrückung.


Quellen

Begutachtete Studien

Saoji AA et al. (2024). How Does Deep Neural Network-Based Noise Reduction in Hearing Aids Impact Cochlear Implant Candidacy? Audiology Research 14, 1114–1125. DOI: 10.3390/audiolres14060092

Kolberg C et al. (2025). DNN-Based Noise Reduction Significantly Improves Bimodal Benefit in Background Noise for Cochlear Implant Users. Journal of Clinical Medicine 14, 5302. DOI: 10.3390/jcm14155302

Diehl PU et al. (2023). Restoring speech intelligibility for hearing aid users with deep learning. Scientific Reports 13, 2719. DOI: 10.1038/s41598-023-29871-8

Schulz KMB et al. (2026). Effects of low-latency deep-learning-based noise reduction on speech intelligibility for normal hearing, hearing-impaired listeners and cochlear implant users. Frontiers in Audiology and Otology. DOI: 10.3389/fauot.2025.1746635

Westhausen NL et al. (2024). Real-Time Multichannel Deep Speech Enhancement in Hearing Aids: Comparing Monaural and Binaural Processing in Complex Acoustic Scenarios. IEEE/ACM Transactions on Audio, Speech, and Language Processing 32, 4596–4606. DOI: 10.1109/TASLP.2024.3473315

Fedorov I et al. (2020). TinyLSTMs: Efficient Neural Speech Enhancement for Hearing Aids. Interspeech 2020, 4054–4058. DOI: 10.21437/Interspeech.2020-1864

Valente M et al. (2018). Differences in Word and Phoneme Recognition in Quiet, Sentence Recognition in Noise, and Subjective Outcomes between Manufacturer First-Fit and Hearing Aids Programmed to NAL-NL2 Using Real-Ear Measures. Journal of the American Academy of Audiology 29, 706–721. DOI: 10.3766/jaaa.17005

Studienregister

ClinicalTrials.gov: NCT06743295, AI Noise Reduction in Phonak Hearing Aids, Mayo Clinic.

Herstellerangaben, Patente und Fachpresse (nicht begutachtet)

Phonak (2026). Medienmitteilung zur Einführung von EON, 24. August 2026.

Wright A, Kuehnel V, Keller M, Seitz-Paquette K, Latzel M (2024). Spheric Speech Clarity applies DNN signal processing to significantly improve speech understanding from any direction and reduce the listening effort. Phonak Field Study News.

Latzel M et al. (2025). Spheric Speech Clarity improves speech understanding and reduces both listening effort and fatigue. Phonak Field Study News.

Lindeman A, Brunner J (2026). Enhancing outdoor communication: WindBlock 2.0 reduces wind noise by up to 50 dB. Phonak Insight.

Vaisberg JM, Brunner J, Ulloa Sanchez D (2026). Hearing confidently in wind: WindBlock 2.0 delivers comfort, natural sound quality, and clearer speech. Phonak Field Study News.

Preuss M, Müller S (2026). AutoSense OS AI 8.0 provides a more natural listening experience for speech in loud noise. Phonak Insight.

Phonak AG. Method and device for processing an acoustic signal. Patent US 7876918.

Strom K (2026). Phonak EON Takes Sphere’s AI Performance into a Smaller, More Accessible Era. HearingTracker, 31. August 2026.

HearingTracker (2026). Phonak Audéo EON vs. Audéo Infinio Ultra, mit Laborwerten von HearAdvisor. Abgerufen am 4. Oktober 2026.

Stand:


Über den Autor

Max Bauer

Maximilian Bauer, MSc. Clinical Audiology
Maximilian Bauer gilt als erfahrener Experte für Hörsystemversorgung, moderne Hörakustik und ethische Beratung im Gesundheitswesen. Er verbindet handwerkliche Präzision mit akademischem Wissen und setzt sich für eine transparente, menschenorientierte Hörversorgung ein.

www.hoergeraete-insider.de


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